Warum lernen Sie Arabisch auf die falsche Art und Weise?

I speak arabic ! Really ?

Die ersten beiden Lerneinheiten sind für meine Sprachschüler/-innen besonders frustrierend. Häufig haben sie bereits ein Studium in den Fächern „Arabistik“, „Islamwissenschaften“ oder „Nahoststudien“ absolviert und sogar erfolgreich einen Abschluss erreicht.

Dies ist oft sogar bei Studierenden der Fall, die an einem der zahlreichen namhaften Institute innerhalb der arabischen Welt studiert haben.

Ich möchte daher versuchen, die folgende Frage zu beantworten: Warum haben so viele ausländische Sprachschüler/-innen derart große Probleme, die arabische Sprache („al-Arabiyya al-Fus’ha“) korrekt zu erlernen? Meiner Erfahrung nach ist dies eine große Herausforderung für Sprachschüler/-innen in der ganzen Welt.

Die meisten Studenten haben dabei mit ähnlichen Problemen zu kämpfen: Sie wollen sich mit der Politik arabischer Länder beschäftigen, Zeitungen lesen und Fernsehsender wie „Al Jazeera“ oder „BBC Arabic“ ansehen und verstehen. Sie würden gerne von Anfang an und möglichst während der ganzen Unterrichtsstunde ausschließlich Arabisch sprechen. Das Problem dabei ist jedoch, dass die meisten Studierenden ein „ungrammatisches“ Arabisch sprechen. Wenn sie zuvor bereits ein arabisches Land besucht haben, sprechen sie häufig Fus’ha, gemischt mit regionalen Dialekten. Am meisten Sorgen bereitet dabei die Tatsache, dass sie sich dieser Mischung überhaupt nicht bewusst sind.

Während der ersten Unterrichtsstunden versuche ich daher die Fehler meiner Sprachschüler/-innen zu korrigieren und manchmal verweigere ich es sogar, mit ihnen Arabisch zu sprechen. Ich möchte ihnen nicht den (falschen) Eindruck vermitteln, dass „ihr“ gesprochenes Arabisch in irgendeiner Weise akzeptabel sei.

Darauf reagieren viele Studenten, indem sie mir versichern, dass sie ein bestimmtes Institut oder eine Universität besucht, dass sie dort soundso viele Levels durchlaufen und dass weder ihre Freunde noch ihre Lehrer/-innen ihnen je gesagt hätten, dass sie so viele Fehler machten.

Unglücklicherweise korrigieren arabische Muttersprachler/-innen die Fehler ausländischer Studierender kaum. Warum ist das so? Ich weiß es nicht genau, aber unabhängig davon, dass sie ihre ausländischen Freundinnen und Freunde nicht verärgern wollen, könnten die folgenden Gründe eine Rolle spielen:

  • Sie wollen die Lernenden nicht frustrieren, indem sie sie denken lassen, dass Arabisch besonders kompliziert sei.
  • Der Versuch, einen einzigen Fehler zu korrigieren, könnte einen großen Teil der Unterrichtseinheit vereinnahmen – wenn nicht sogar die ganze Stunde.
  • Sie könnten Angst haben, die Studierenden derart zu entmutigen, dass er das Lernen aufgibt. Damit würden sie eine(n) Schüler/-in (und ihr/sein Geld) verlieren.

Texte ohne die Endvokalisation (-un, -in, -an) zu lesen, kann zwar ein Weg sein, die Sprache zu vereinfachen, aber die Wahrheit ist: es ist lediglich eine Methode den Studierenden vorzugaukeln, dass die Sprache korrekt beherrschen würden. Die grammatischen Fälle (Nominativ, Genetiv, Akkusativ) sind jedoch im Arabischen nicht alleine auf die Endvokalisation beschränkt – manchmal müssen sogar ganze Buchstaben verändert werden. Diese Unterschiede können auch in den arabischen Massenmedien gehört werden – auch in arabischen Zeichentrickserien, in denen die Charaktere Fus’ha sprechen.

Wie kann aber von Sprachschülern erwartet werden, die Gedichte von Nizar Qabbani und Mahmud Darwish zu lesen und zu verstehen, ohne Endvokale und grammatische Fälle richtig anwenden zu können? Sogar als die Gedichte dieser großartigen Dichter später in Lieder umgeschrieben wurden, blieb die Endvokalisation erhalten.

Ich frage daher: Wie ist es möglich, diese Gedichte ohne Endvokalisierung und grammatische Fälle zu lesen?

Wie kann ein Sprachschüler erkennen, wann der Buchstabe „Nuun“ in einer Genetivverbindung nicht benötigt wird? Die verschiedenen Formen der grammatischen Fälle begegnen uns beim Zeitunglesen ebenso wie beim Nachrichtenschauen im Fernsehen. Wenn Du Fus’ha und die Medien also richtig verstehen willst, musst Du die grammatischen Details der arabischen Sprache kennen!

Viele Studierende der arabischen Sprache lesen arabische Zeitungen und die Romane bekannter arabischer Schriftsteller behaupten von sich, alles verstehen zu können. Allerdings erfassen die meisten von ihnen nur grob die Inhalte. Wenn man sie jedoch in ein Gespräch über einen Text verwickelt, den sie zuvor gelesen haben, sind sie häufig nicht fähig, Wörter zu verwenden, die im darin erwähnt wurden. Was aber noch viel schlimmer ist: Wenn man sie bittet, ihre Meinung zu dem jeweiligen Thema oder eine Zusammenfassung des Artikels aufzuschreiben, können sie keine korrekten zusammenhängenden Sätze bilden!

Ich möchte an dieser Stelle daher einen Hinweis geben, wo die Ursachen liegen:

  1. Wenn Du in einem der bekannten namhaften Institute oder in einer Sprachschule sofort in einen Kurs für Fortgeschrittene geschickt wirst, ohne vorher einen schriftlichen Einstufungstest absolviert zu haben, dann bedeutet dies, dass das Institut Dich in erster Linie als zahlenden Kunden und nicht als Studenten betrachtet!
  2. Wenn Du nach vielen Kursen immer noch nicht weißt, wie man richtig schreibt, wie man eine 10-minütige Konversation hält und sich selbst ausdrückt, wenn Du es immer noch für notwendig hältst ein Wörterbuch mit zum Markt zu nehmen – nur um ein bisschen Obst und Gemüse zu kaufen –, dann gibt es ein ernstzunehmendes Problem mit einem der folgenden Aspekte:
    1. Die Lehrmethode, die von Deinem Lehrer (oder von Deinem Buch) verwendet wird
    2. Die Bücher/die Materialien mit denen Du lernst
    3. Das Ausbleiben einer praktischen Anwendung der Grammatik, die Du Dir als Studierender mühsam angeeignet hast. Damit meine ich übrigens in erster Linie eine korrekte Anwendung der Grammatik z.B. in Gesprächen über Deinen Alltag … UND NICHT NUR IN GESPRÄCHEN ÜBER POLITIK UND RELIGION SOWIE IN GEDICHTEN!
    4. Mangelnder Fleiß/Faulheit des Sprachschülers (auch wenn dieser Vorwurf seitens der Lehrer häufig als Entschuldigung genutzt wird, um über eigene Mängel hinwegzutäuschen)

Meiner Erfahrung nach ist es unmöglich, einem einzelnen Sprachschüler einen Vorwurf zu machen, da die oben genannten Probleme 90% der Arabisch-Lernenden betreffen. Ich kann einfach nicht glauben, dass 90% dieser Schüler faul sind oder keinen Willen haben, Arabisch zu lernen.

Wichtiger Hinweis:

Arabische Texte lesen und verstehen zu können, reicht nicht aus! Die meisten Menschen können jedoch nicht mehr als das. Um einen gehobenes Level in Arabisch erreichen zu können, musst Du vor allem fähig sein, eigene Text produzieren zu können, sowie einen Text von Deiner Muttersprache ins Arabische übersetzen zu können.

Es ist ausgesprochen wichtig, sich zunächst auf das geschriebene Arabisch zu konzentrieren. Denn nur, wenn Du korrekt schreiben kannst, wirst Du auch richtig sprechen können. Anderenfalls wirst Du höchstens „gebrochen“ Arabisch sprechen.

Es sollte Dir daher nicht schwerfallen, über Deinen Alltag zu schreiben. Auf diese Weise können Deine Kenntnisse der arabischen Sprache recht zuverlässig eingeschätzt werden.

Nachfolgend findest Du ein paar Sätze zur Übersetzung. Lass Dich bitte nicht dadurch irritieren, dass die Sätze teilweise wenig Sinn ergeben – sie sind absichtlich so strukturiert, dass Du gezwungen bist, wichtige Regeln der arabischen Grammatik korrekt anzuwenden:

P = Plural, S = Singular, M = Maskulin, F = Feminin

  1. Die beiden Balkone der beiden Studenten unserer Lehrer sind nicht schön.
  2. Ich hasse die großen Autos.
  3. Sie wird dich (PF) schlagen, weil der Preis des Hauses diese Tage teurer wurde.
  4. Unsere Wörterbücher sind nützlich, aber unsere Stifte sind nicht nützlich, weil sie in unseren Prüfungen nicht schreiben.
  5. Ich hasse Eure (PF) schwierigen Prüfungen.
  6. Meine beiden Freunde sitzen hinter den fetten Studentinnen Deines Lehrers.
  7. Ich habe viel Essen für sie zubereitet, aber ihre (PF) beiden Freunde essen nicht zu Hause.
  8. Unsere Zimmer werden sonnig sein, aber unser Schlafzimmer wird niemals ein Kinderzimmer sein.
  9. Unsere Studentinnen sind fett, aber sie werden nach zwei Jahren dünn sein, weil ihre beiden Mahlzeiten ekelhaft sind.
  10. Ich hasse es, dass Deine (SM) beiden Freunde fett sind.
  11. Die Muslime aus Kairo werden mit den beiden Italienern der Botschaft sprechen, damit sie dieses Jahr neue Leute beherbergen können.
  12. Warum werdet Ihr (PM) uns nicht anrufen, wenn wir unter den beiden Bäumen des Parks sind.
  13. Sie (PM) werden ihr beiden Bücher beenden, bevor sie die Arbeit von zwei faulen Leuten (Nomen) unserer Universität beenden.

Du solltest nun einen kurzen Text (etwa 10 Zeilen) über Deinen Alltag schreiben. Dabei kannst Du zum Beispiel die folgenden Aktivitäten beschreiben:

  • Du wachst auf
  • Du bereitest Dir einen Kaffee
  • Du trinkst ihn im Garten des Hauses
  • Du ziehst Dich an und verlässt das Haus
  • Du triffst Freunde
  • Du rufst einen Freund an, um mit ihm über seinen Tag, seine neue Arbeit, etc. zu sprechen

Wenn Du den Text fertig geschrieben hast, solltest Du ihn noch weitere drei Mal schreiben und dabei jeweils das Subjekt ändern. Du schreibst also diesmal nicht über Dich selbst, sondern über andere Personen. Verwende dabei die folgenden drei Subjekte: „Du“ (SM), „zwei Studentinnen“ und „Ihr“ (PM).

Am Schluss solltest Du die Orthografie und die Grammatik Deines Textes genau prüfen. Markiere Deine Fehler mit einem roten Stift und zähle Deine Fehler.

Viel Glück!

Mohammed Ghudai – الــلـغــة العـربـيـَّة لِـلـجمـيــع